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| Die
Geburt der Intelligenz

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Holk Cruse
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Professor
Holk Cruse, der Leiter der Abteilung für Biologische Kybernetik
und Theoretische Biologie in Bielefeld, versucht sich dem Begriff
der Intelligenz als Biologe zu nähern. Interessant ist diese
Annäherung vor allem deshalb, weil Cruse nicht in die Arroganz
weltfremder AI – Forscher verfällt und Intelligenz als
völlig losgelöstes Phänomen begreift: „Der
Mensch hat sich, wie alle Tiere, im Laufe der Evolution in einem
allmählichen Übergang aus Vorstufen entwickelt. Das lässt
vermuten, dass man einem Verständnis des Phänomens der
Intelligenz dann näher kommen kann, wenn man zunächst
die auch einfacher zu verstehenden Vorstufen untersucht, um so von
einfacheren zu komplexeren Systemen fortzuschreiten.“
Holk Cruse betont die, sehr wichtige
Unterscheidung, zwischen „intelligent“ als Eigenschaft
und „Intelligenz“ als Fähigkeit. Viele Tiere haben
im Laufe der evolutionären Entwicklung intelligente Eigenschaften
entwickelt, die selbst heutige Forscher in Erstaunen versetzen.
Die enorme Haftkraft von Fliegenbeinen, die Infrarotsensoren in
den Beinen einer Käferart, die noch in 80 km Entfernung die
Hitze eines Waldbrandes „erfühlen“ kann, die Wärmesensoren
der Schlangen oberhalb ihrer Zähne, mit denen sie nachts „sehen“
können – diese und andere Entwicklungen der Evolution,
die Forscher der Bionik bislang nicht annähernd imitieren können,
sind intelligente Eigenschaften. Davon unterscheidet sich, laut
Cruse, unser individuelles Vermögen zu lernen und sich auf
verändernde Situationen schnell, kreativ und logisch anzupassen.
Das eigenständige Lösen von Aufgaben und Verarbeiten von
Symbolen beruht nicht auf Eigenschaften, sondern auf intelligenten
Fähigkeiten. Cruse unterscheidet also deutlich zwischen der
evolutionär erworbenen immanenten „verkörperten“
intelligenten Eigenschaft einer Art, die sich nur durch Erfahrung
und Gebrauch bilden konnte und den intelligenten Fähigkeiten
eines Individuums. Bisweilen übertreffen die Eigenschaften
die Fähigkeiten und so sollte der Mensch, laut Cruse, nicht
zu arrogant auf die Errungenschaften der Käfer, Bienen und
Ameisen herabschauen. Wir könnten die Lösungswege der
Evolution, die nur auf Erfahrungen beruhen, nutzen, um mehr über
uns selber zu erfahren.
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Sechsbeiniger Roboter |
Interview
mit Holk Cruse in Bielefeld
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Was
können wir von der Natur lernen Herr Cruse?
Cruse: Eine ganze
Menge. Sehen sie sich doch nur einmal die Unzahl an praktischen,
ökonomischen und mit „Cheap Design“ ausgestatteten
Lösungen der Tierwelt an. Da gibt es intelligente Eigenschaften,
die viel einfacher aufgebaut sind, als die hochkomplexen Lösungsansätze
unserer Techniker. Wenn sie die beiden Verfahren gegeneinander abwägen,
muss man die Intelligenz einfach gebauter natürlicher Systeme
durchaus höher bewerten. Das mag zunächst wie ein Widerspruch
erscheinen, einfach versus komplex, da würde man intuitiv die
komplexen Systeme höher einstufen – aber bei genauerer
Betrachtung ist es viel schwieriger, mit geringen Material- und
Energiekosten Intelligenz zu erzeugen.
Welchen Vorteil hatte es für die Evolution
„abstrakte rationale Intelligenz“ herauszubilden, reicht
den die „praktische Intelligenz“ nicht aus?
Cruse: In der Tat
belohnt die Evolution vordergründig nicht die Entwicklung theoretischer
Fähigkeiten, sondern sie belohnt in erster Linie Eigenschaften,
die der Art helfen, sich in seiner konkreten Umwelt besser zurecht
zu finden. Intelligenz ist adaptives Verhalten. Aber das reine Vorstellen
einer Welt, kann natürlich immense Vorteile mit sich bringen.
Sie können im Kopf Szenarien durchspielen, die ihnen in der
harten Wirklichkeit, der „freien Wildbahn“, sehr gefährlich
werden könnten. Dies ist unter ökonomischen Aspekten äußerst
sinnvoll. Denken kostet den Organismus nicht so viel Energie wie
Handeln.
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Sie
stellen in ihren Untersuchungen die rationalen Leistungen der Intelligenz
hinten an und widmen sich in erster Linie „intelligenten Konstruktionen
und Systemeigenschaften“. Was fasziniert sie als Biologe daran?
Cruse: Nun, zuerst
einmal fällt den Biologen in aller Welt immer mehr auf, wie
intelligent Tiere und selbst Pflanzen „konstruiert“
sind. Rationale Intelligenz mag zwar für solche Dinge, wie
das Bilden von Begriffen und die Manipulation dieser Begriffe sehr
wichtig sein, es ist aber offensichtlich, dass rationale Intelligenz
zum Verständnis unserer intelligenten Handlungen nicht ausreicht.
Wir konzentrieren uns in unseren Untersuchungen auf Aspekte, die
wir „prärational“ nennen. Einen Schachcomputer
können sie mit mechanischer „Intelligenz“ voll
stopfen, er wird daraufhin niemals eigene „nominale“
Intelligenz entwickeln, wie wir sie besitzen. Biologische Systeme
jedoch, das sieht man am Menschen, haben den Sprung von der prärationalen,
prozessualen Intelligenz zur rationalen Intelligenz geschafft.
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| Das vollständige Interview wird in Kürze
an dieser Stelle erscheinen. |
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