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Stanislaw Lem [1] [2]
Gerald M. Edelman
 


Das Kloster der Wissenschaft


 
Gerald M. Edelman
   

Gerald M. Edelman erhielt im Jahre 1972 den Medizin-Nobelpreis für seine Arbeiten über die chemische Struktur von Antikörpern. Nun, mehr als dreißig Jahre später, träumt Edelman von einem weiteren Nobelpreis. In seinen neuen Forschungsfeldern, der Gehirnphysiologie und der Erforschung des menschlichen Bewusstseins, hat er sich vor allem durch seine „Neuronengruppen-Selektions-Theorie“ einen Namen gemacht. In diesem populärwissenschaftlich auch „Neuraldarwinismus“ genannten Modell, verstärken sich, vereinfacht ausgedrückt, die Nerven-Verbindungen, die von einem Menschen oft benutzt werden während Neuronengruppen, die weniger oft verwendet werden, „verkümmern“ und mit ihnen auch die erworbenen Fähigkeiten, die in diesen Hirnarealen repräsentiert wurden.

La Jolla, der Ort wo dieses Interview stattfand, trägt seit kurzem den, an Anlehnung an das berühmte „Silicon Valley“ entstandenen Beinamen, „Neuron Valley“. Im Radius von nur zwei Meilen befinden sich gleich drei Gehirnfabriken von Weltruf. Das vom Nobelpreisträger Francis Crick gegründete „Salk Institute“ liegt direkt am Pazifik. Einen Steinwurf davon entfernt findet man das ebenfalls nobelpreisgekürte Neuroscience Institut von Gerald M. Edelman sowie, etwas weiter südlich, den luxuriösen mit Wasserspielen und Edelrestaurants ausgestatteten Campus der Universität von San Diego.

Edelman sieht sein Neuroscience Institut dabei als „Kloster der Wissenschaft“: „Unsere Wissenschaftler haben hier alle Freiräume, die sie brauchen, um Spitzenleistungen zu vollbringen. Genügend Geld, Ruhe, Zeit und den wunderbaren Pazifik vor der Nase.“

 

Interview mit Gerald Edelman in San Diego (La Jolla)

 

Herr Edelman, was bedeutet es, wenn ein Mensch sagt: Ich weiß, und wie ist dieses Wissen im Gehirn repräsentiert?“

Edelman: Wir wissen immer noch nicht genau, wie „Wissen“ genau im Gehirn repräsentiert und gespeichert wird, ebenso wenig, wie wir wissen, was „Bewusstsein“ ist. Wir wissen eigentlich immer noch viel zu wenig, auch wenn wir alle täglich mit Informationen überflutet werden - die wirklich interessanten Dinge wissen wir leider noch nicht. So machen wir zur Zeit hier am Institut einige sehr interessante Versuche über den Schlaf. Wussten sie, dass Fruchtfliegen auch schlafen? Mein Mitarbeiter Ralph Greenspan versuchte zuerst die Drosophila vom Schlaf abzuhalten, indem er sie in Rüttelmaschinen wach hielt. So konnten wir herausfinden was „Schlaf“ für eine Fruchtfliege bedeutet. Jetzt versuchen wir herauszufinden, was im Fliegengehirn vor sich geht. Schließlich hat so ein kleines Gehirn nur 250000 Nervenzellen im Gegensatz zu den über 100 Milliarden die wir im Kopf haben. Aber es ist eine Schande, mit dem Schlaf beschäftigt sich die Wissenschaft seit sehr langer Zeit. Doch das Rätsel Schlaf ist immer noch nicht gelöst. Niemand weiß, warum wir schlafen müssen.

Über den Schlaf wissen wir wenig, wissen wir den etwas mehr über das Gegenteil, das Wachsein. Was ist Bewusstsein?

Edelman: Bewusstsein und die so genannten Qualia (Anm. Qualia sind die Empfindungen eines mentalen Zustandes, das Blau des Himmels z.B.) sind zwar nach wie vor rätselhaft, aber wir messen ihnen meines Erachtens nach einen viel zu hohen Stellenwert bei. Bewusstsein ist eigentlich nur ein „Abfallprodukt“ unserer Gehirnleistung. Auch wenn uns Bewusstsein „weiter als der Himmel erscheint“, um mit Dickinson zu sprechen, ist Bewusstsein nichts weiter als das Ergebnis, das sich zwingend aus einer Gleichung ergibt, die auf Erfahrungsinputs und einer adäquaten Selektion des Gehirns beruht.


Weiß man den wenigstens annähernd, wie das Wissen in den Kopf kommt?

Edelman: Nun, das Gehirn benötigt drei Phasen: Zuerst erfolgt eine „Entwicklungsselektion“. Während seines Wachstums entwickeln sich in unserem Gehirn unterschiedliche Neuronengruppen. Dann bekommen die Schaltkreise dieser Neuronen unterschiedliche Erfahrungsinputs. Ich nenne das die „Erfahrungsselektion“. Je mehr Erfahrung und Input die Neuronen eines Ensembles bekommen, desto stärker werden sie. Wie auf einer Autobahn mit sehr viel Verkehr, die auch acht oder zehn Spuren benötigt, werden die Neuronen, die den meisten Wissens-Input bekommen immer „kräftiger“. In der dritten Phase, ich nenne sie „Reziproke Koppelung“, tauschen die verschiedenen Hirnareale ihre „Erfahrungen“ untereinander aus. Das Gehirn verschafft sich, wenn sie so wollen, eine ganzheitliche Sicht der Dinge. Das ist dann das Wissen, von dem wir sprechen.


Donald Hudson und Jim Snook
im NOMAD Labor

 

 

 

 




 
Das vollständige Interview wird in Kürze an dieser Stelle erscheinen.

 

 

 

 

 

 
     

 


 

 
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