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| Das
Kloster der Wissenschaft

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Gerald M. Edelman
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Gerald M. Edelman erhielt im Jahre
1972 den Medizin-Nobelpreis für seine Arbeiten über
die chemische Struktur von Antikörpern. Nun, mehr als dreißig
Jahre später, träumt Edelman von einem weiteren Nobelpreis.
In seinen neuen Forschungsfeldern, der Gehirnphysiologie und der
Erforschung des menschlichen Bewusstseins, hat er sich vor allem
durch seine „Neuronengruppen-Selektions-Theorie“ einen
Namen gemacht. In diesem populärwissenschaftlich auch „Neuraldarwinismus“
genannten Modell, verstärken sich, vereinfacht ausgedrückt,
die Nerven-Verbindungen, die von einem Menschen oft benutzt werden
während Neuronengruppen, die weniger oft verwendet werden,
„verkümmern“ und mit ihnen auch die erworbenen
Fähigkeiten, die in diesen Hirnarealen repräsentiert
wurden.
La Jolla, der Ort wo dieses Interview stattfand, trägt seit
kurzem den, an Anlehnung an das berühmte „Silicon Valley“
entstandenen Beinamen, „Neuron Valley“. Im Radius
von nur zwei Meilen befinden sich gleich drei Gehirnfabriken von
Weltruf. Das vom Nobelpreisträger Francis Crick gegründete
„Salk Institute“ liegt direkt am Pazifik. Einen Steinwurf
davon entfernt findet man das ebenfalls nobelpreisgekürte
Neuroscience Institut von Gerald M. Edelman sowie, etwas weiter
südlich, den luxuriösen mit Wasserspielen und Edelrestaurants
ausgestatteten Campus der Universität von San Diego.
Edelman sieht sein Neuroscience
Institut dabei als „Kloster der Wissenschaft“: „Unsere
Wissenschaftler haben hier alle Freiräume, die sie brauchen,
um Spitzenleistungen zu vollbringen. Genügend Geld, Ruhe,
Zeit und den wunderbaren Pazifik vor der Nase.“
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Interview
mit Gerald Edelman in
San Diego (La Jolla)
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Herr
Edelman, was bedeutet es, wenn ein Mensch sagt: Ich weiß,
und wie ist dieses Wissen im Gehirn repräsentiert?“
Edelman: Wir wissen
immer noch nicht genau, wie „Wissen“ genau im Gehirn
repräsentiert und gespeichert wird, ebenso wenig, wie wir wissen,
was „Bewusstsein“ ist. Wir wissen eigentlich immer noch
viel zu wenig, auch wenn wir alle täglich mit Informationen
überflutet werden - die wirklich interessanten Dinge wissen
wir leider noch nicht. So machen wir zur Zeit hier am Institut einige
sehr interessante Versuche über den Schlaf. Wussten sie, dass
Fruchtfliegen auch schlafen? Mein Mitarbeiter Ralph Greenspan versuchte
zuerst die Drosophila vom Schlaf abzuhalten, indem er sie in Rüttelmaschinen
wach hielt. So konnten wir herausfinden was „Schlaf“
für eine Fruchtfliege bedeutet. Jetzt versuchen wir herauszufinden,
was im Fliegengehirn vor sich geht. Schließlich hat so ein
kleines Gehirn nur 250000 Nervenzellen im Gegensatz zu den über
100 Milliarden die wir im Kopf haben. Aber es ist eine Schande,
mit dem Schlaf beschäftigt sich die Wissenschaft seit sehr
langer Zeit. Doch das Rätsel Schlaf ist immer noch nicht gelöst.
Niemand weiß, warum wir schlafen müssen.
Über den Schlaf wissen
wir wenig, wissen wir den etwas mehr über das Gegenteil, das
Wachsein. Was ist Bewusstsein?
Edelman: Bewusstsein
und die so genannten Qualia (Anm. Qualia sind die Empfindungen eines
mentalen Zustandes, das Blau des Himmels z.B.) sind zwar nach wie
vor rätselhaft, aber wir messen ihnen meines Erachtens nach
einen viel zu hohen Stellenwert bei. Bewusstsein ist eigentlich
nur ein „Abfallprodukt“ unserer Gehirnleistung. Auch
wenn uns Bewusstsein „weiter als der Himmel erscheint“,
um mit Dickinson zu sprechen, ist Bewusstsein nichts weiter als
das Ergebnis, das sich zwingend aus einer Gleichung ergibt, die
auf Erfahrungsinputs und einer adäquaten Selektion des Gehirns
beruht.
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Weiß
man den wenigstens annähernd, wie das Wissen in den Kopf kommt?
Edelman: Nun, das
Gehirn benötigt drei Phasen: Zuerst erfolgt eine „Entwicklungsselektion“.
Während seines Wachstums entwickeln sich in unserem Gehirn
unterschiedliche Neuronengruppen. Dann bekommen die Schaltkreise
dieser Neuronen unterschiedliche Erfahrungsinputs. Ich nenne das
die „Erfahrungsselektion“. Je mehr Erfahrung und Input
die Neuronen eines Ensembles bekommen, desto stärker werden
sie. Wie auf einer Autobahn mit sehr viel Verkehr, die auch acht
oder zehn Spuren benötigt, werden die Neuronen, die den meisten
Wissens-Input bekommen immer „kräftiger“. In der
dritten Phase, ich nenne sie „Reziproke Koppelung“,
tauschen die verschiedenen Hirnareale ihre „Erfahrungen“
untereinander aus. Das Gehirn verschafft sich, wenn sie so wollen,
eine ganzheitliche Sicht der Dinge. Das ist dann das Wissen, von
dem wir sprechen. |

Donald Hudson und Jim Snook
im NOMAD Labor
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| Das vollständige Interview wird in Kürze
an dieser Stelle erscheinen. |
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